Wer möchte schon lediglich toleriert oder akzeptiert werden?
Anders als die bereits in besonderem Umfang angegangenen Diversity-Säulen „Geschlecht“, „Behinderung“, „Ethnischer Hintergrund“ und „Alter“, ist die sexuelle Identität einer Person meist nicht visuell erkennbar. Homo-, Bi- und Transsexuelle Menschen werden aber mit ihrer Andersartigkeit schon frühzeitig konfrontiert, nachdem das alltägliche Leben und die Gesellschaft a priori heteronormativ geprägt sind. Ihnen wird in der Regel schon ab dem Jugendalter immer wieder die Herausforderung gestellt, sich dem eigenen Umfeld zu outen – und dieser Prozess ist unendlich. Denn immer, wenn sie bisher unbekannte Persönlichkeiten treffen, bergen sie ein Geheimnis, von dem das Gegenüber nichts weiß. Immer wieder kostet es Überwindung – denn schließlich kann man die Reaktion des Gegenübers nicht vorhersehen –, die eigene sexuelle Orientierung bloßzustellen und sich selbst zu sein.
Und auch im Büro, im Arbeitsleben, ist damit nicht Schluss. Zahlreiche Menschen (über 50% aller MitarbeiterInnen) entscheiden sich, ihre wahre sexuelle Identität im Beruf zu verbergen – oft aus Angst vor Karriere-Nachteilen oder wegen der gelebten unoffenen Unternehmenskultur. Sie führen ein Doppelleben, das ihre Lebensqualität und auch ihre Arbeitsleistung belastet und beeinträchtigt, da sie unter allen Umständen versuchen, ihr wahres Ich zu verheimlichen. Alibis in Form von imaginären oder gespielten Partnern, erfundene Lebensgeschichten, Unterdrückung der eigenen Persönlichkeit – denn die Erfahrungen als Homo-, Bi- und Transsexuelle prägen zwangsweise ihre Persönlichkeit –, all das ist hinderlich für eine berufliche Selbstverwirklichung und -entwicklung. Nicht zuletzt wirkt sich dies auch nicht förderlich auf das Unternehmen aus, für das die Person tätig ist, da die Alibi-Kreation und –Erhaltung immens viel Energie in Anspruch nimmt, die negativ auf die Konstruktivität und Produktivität abfärbt.
Zwar wird immer auf die enorme Toleranz und Akzeptanz in der Gesellschaft verwiesen - (Zum Nachdenken: Möchten Sie unter Ihren Kollegen toleriert werden, oder irgendwann in einem Team akzeptiert werden?), das professionelle Umfeld hinkt in dieser Hinsicht jedoch noch weiter hinterher. Und genau hier setzt das Projekt „MILK“ an, das sich in die MILK Job- & Karrieremesse und den MILK Diversity Kongress aufgliedert. Wir möchten das Unternehmen sich als Proud Employer outen und somit Jobsuchende erfahren, welche Unternehmen hinter ihnen stehen - und welche nicht. Wir möchten Unternehmen dabei helfen, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich alle MitarbeiterInnen wohl und wertgeschätzt fühlen. Und wir möchten eine innovative Karrieremesse veranstalten, die unseren BesucherInnen Spaß macht und sie beruflich vielfältig unterstützt.
Unternehmen, die sich auf der Veranstaltung präsentieren und auch unter Homo-, Bi- und Transsexuellen nach kreativer Manpower suchen, setzen ein Zeichen der Offenheit und Wertschätzung - nicht nur der Toleranz.
PS: Auf der MILK zählt Talent, Persönlichkeit und Erfahrung. Heterosexuelle BesucherInnen sind daher auf der MILK herzlich Willkommen. Bei uns erhält niemand einen Job aufgrund der sexuellen Identität.
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