Frank Bsirske | Vorsitzenden der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di

Sehr geehrte Besucherinnen und Besucher der MILK 2010, liebe Kolleginnen und Kollegen,
Lesben und Schwule sind dem Ziel eines diskriminierungsfreien Miteinanders in Arbeitswelt und Gesellschaft in den letzten Jahren ein gutes Stück näher gekommen. Noch vor einigen Jahren wäre die Durchführung von Karrieretagen für Schwule und Lesben kaum denkbar gewesen. Es ist ein gesellschaftspolitischer Erfolg der Emanzipationsbewegung, dass diese Messe stattfindet. Sie wird dazu beitragen, die notwendige Debatte um Diversity in Unternehmen und die Veränderung von Unternehmenskultur weiter voranzubringen und hoffentlich auch praktische Erfolge zeigen.
An den Fortschritten der Emanzipation haben auch Gewerkschaften einen Anteil. So legte bereits 1990 eine der Vorläuferorganisationen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ötv), als erste Gewerkschaft den Entwurf eines Antidiskriminierungsgesetzes vor, das unter anderem Lesben und Schwule vor Benachteiligungen in Arbeit und Beruf schützen sollte. ver.di setzt sich mit Nachdruck für die Menschenwürde, für diskriminierungsfreie Arbeits- und Lebensbedingungen, gegen soziale Ausgrenzung oder rechtliche Benachteiligung ein. Das alles sind zentrale Anliegen von Gewerkschaften und Ziele, die wir mit der Lesben- und Schwulenbewegung teilen. Niemand darf wegen seines oder ihres Geschlechts, der sexuellen Identität, Abstammung, Sprache, Heimat und Herkunft, wegen des Glaubens, wegen religiöser oder politischer Anschauungen oder wegen einer Behinderung benachteiligt werden.
Die Ausgrenzung und Diskriminierung wegen der sexuellen Identität hat eine lange und schmerzliche Geschichte, die noch heute in allen gesellschaftlichen Bereichen nachwirkt. Von einer nachhaltigen gesellschaftlichen Akzeptanz nicht-heterosexueller Lebensweisen und von einer Beseitigung rechtlicher Ungleichbehandlung sind wir noch weit entfernt. Auch heute kann ein Outing zum Karriereknick führen. Gerade die Geschichte des § 175 hat gezeigt, dass Erreichtes oder erreicht Geglaubtes nicht zwingend für die Zukunft Bestand haben muss. Deshalb wird auch ver.di nicht aufhören, sich für die umfassende rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern einzusetzen. Wir werden uns weiter für die Veränderung der Unternehmenskultur hin zu einer toleranten, vorurteils- und diskriminierungsfreien Praxis in den Betrieben und Verwaltungen engagieren.
Ich wünsche allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der MILK 2010 anregende und produktive Tage.
Mit freundlichen Grüßen
Frank Bsirske
Vorsitzenden der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di
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