Volker Beck | Erster Parlamentarischer Geschäftsführers der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Sehr geehrtes Team der MILK-Messe, sehr geehrte Besucherinnen und Besucher,
Lesben und Schwule können auch am Arbeitsplatz stolz zu ihrer Identität stehen. Offen gelebte Homosexualität sollte heute kein Karrierehemmnis mehr sein. Das ist auch Ergebnis der konsequenten Anti-Diskriminierungspolitik der Grünen, die im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz ihren Ausdruck gefunden hat. Mit diesem Gesetz haben wir klar gemacht: homophobe Ressentiments sind kein Kavaliersdelikt und eine vorurteilsfreie Bewertung der eigenen Leistung ist jetzt einklagbar. Dennoch: offen schwule oder gar lesbische Vorstandsmitglieder sucht man bei den großen Dax-Unternehmen vergeblich.
In vielen Unternehmen oder Wirtschaftsverbänden wird nach der Devise „Don‘t ask, don‘t tell“ verfahren. Albert Kehrer von Völklinger Kreis sagt zu Recht: "Ich würde nie jemanden dazu drängen: Oute dich. Wenn das im falschen Unternehmen passiert oder zur falschen Zeit, kann es aus sein mit der Karriere.“ Ich bin froh, dass die MILKMesse den richtigen Unternehmen zur richtigen Zeit eine Plattform bietet, die Alternative aufzuzeigen:
„Diversity Management“ ist ein Schlagwort aus den USA, das bei uns in Deutschland eine rasante Karriere macht. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass die Vielfältigkeit ihrer Belegschaft ein Wettbewerbsvorteil ist. Kreativität und Engagement gedeihen nur in einer Umgebung, die frei ist von Vorurteilen und Diskriminierung. Dabei geht es nicht nur um Außenwirkung und Werbung, sondern darum, die Fähigkeiten und Talente aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter voll zum Einsatz zu bringen. Wer Diskriminierung oder Mobbing ausgesetzt ist, wird keine emotional positive Beziehung zu seinem Arbeitgeber aufbauen können. Es ist also im ureigensten Interesse der Unternehmen Diskriminierung abzubauen und Vorurteilen aktiv zu begegnen. Das gilt im Übrigen auch für den öffentlichen Dienst, wo wir als politisch Verantwortliche noch direkter in der Verantwortung stehen.
Für Schwule und Lesben hat sich das gesellschaftliche Klima in den letzten Jahren deutlich verbessert. Die Mitte in unserem Land ist tolerant und aufgeschlossen. Leider wächst an den Rändern jedoch der Unmut wieder an. Anti-lesbische oder antischwule Gewalt ist immer noch Alltag in Deutschland; Vorurteile und Diskriminierung nicht beseitigt.
Veranstaltungen wie die MILK-Messe können ihren Beitrag dazu leisten, Schwule und Lesben in ihren berechtigten Anspruch auf Gleichberechtigung zu bestärken und wesentliche Akteure des gesellschaftlichen Lebens für diesen Kampf zu gewinnen. Dafür wünsche ich Ihnen viel Erfolg!
Mit freundlichen Grüßen
Volker Beck
Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundesfraktion Bündins 90/Die Grünen
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